Smartphone-Sucht: Die digitale Versuchung in der Hosentasche

WhatsApp, Twitter, Online-Spiele und Weckfunktion: Das Smartphone ist wie eine Urgewalt über unsere Gesellschaft hereingebrochen. Es vereint etliche Geräte und Dienste in sich und ist deshalb aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken.

Wie lange ist es her, seit du zuletzt auf dein Smartphone geschaut hast? Rund eine Viertelstunde? Damit wärst du voll im Durchschnitt. Denn der durchschnittliche Smartphone-Besitzer aktiviert es etwa 80mal am Tag und somit ungefähr alle 12 Minuten. Verwunderlich ist das nicht. Schließlich bietet das nette kleine Ding eine Menge Unterhaltung. Ganz vorne in der Hitliste der beliebtesten Nutzungsmöglichkeiten rangieren Dienste wie WhatsApp, soziale Netzwerke und kleine Online-Spiele. In den Hintergrund sind SMS, Telefonieren und E-Mails getreten. Wer sein Smartphone richtig gerne mag, der macht noch seine Fotos mit dem kleinen Gerät, nutzt es morgens als Wecker und bezahlt abends damit im Supermarkt. Mit anderen Worten: Das Smartphone ist immer dabei, stets an und online und falls es daheim auf dem Klo liegen bleibt, fühlt man sich seltsam nackt ohne seinen digitalen Begleiter.

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Handy-Gebrauch: Immer höflich bleiben

Diese starke Verbundenheit mit dem Smartphone erstaunt, wenn man überlegt, wie jung diese Geräte noch sind. So brachte das Unternehmen Apple erst 2007 sein erstes Smartphone mit dem Namen iPhone auf den Markt und trat damit einen Run auf die Geräte los. Heute schaut man schnell übers Smartphone im Internet nach, während früher beim Spaziergang im Park rege darüber diskutiert wurde, ob Maikäfer Eichenblätter fressen oder Blattläuse. Auch die Regeln der Höflichkeit müssen neu definiert werden. Vor Erfindung der Handys wäre es niemandem eingefallen, mitten im Gespräch plötzlich und kommentarlos seine Aufmerksamkeit auf ein kleines Gerät in der Hand zu richten. Heute ist das Alltag. Nicht selten sieht man zwei Frauen (oder Männer) in einem Café an einem Tisch sitzen, die – anstatt sich zu unterhalten – auf die kleinen Bildschirme starren.

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Smartphone-Nutzung: Alles in Maßen

Okay, die Zeiten ändern sich und damit das Kommunikationsverhalten und die Höflichkeitsregeln. Das ist nicht problematisch. Kritisch wird es, wenn das Smartphone die Kontrolle übernimmt. Wenn sein Besitzer nur noch in der virtuellen Welt lebt, Hobbys vernachlässigt und soziale Beziehungen leiden. Meistens nimmt dann die Dauer des Gebrauchs immer mehr zu und Versuche, die Nutzung zu kontrollieren bleiben erfolglos. Die Leistungen in Schule, Uni oder Job lassen nach und es können Angstzustände, eine allgemeine Reizbarkeit, Traurigkeit und sogar Entzugserscheinungen auftreten. Ist dieser Punkt erst erreicht, spricht man im Volksmund von Handysucht. Allerdings ist in Deutschland – anders als in den USA – die Internet- bzw. Smartphone-Abhängigkeit als Suchterkrankung nicht offiziell anerkannt. Trotzdem sollten sich Betroffene psychologische Hilfe holen, wenn sie vermuten, dass ihr Smartphone sie voll im Griff hat. Letzten Endes geht es nicht darum, vom Netz loszukommen, sondern den Konsum wieder auf ein normales Maß einzupendeln. Wie genau dieses „normale" Maß aussieht, muss jeder für sich herausfinden. Die einen vertragen mehr Smartphone-Nutzung, die anderen weniger.

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Flugmodus: Seid einfach mal offline

Wer auf eigene Faust seine Zeit am Handy reduzieren möchte, kann das natürlich jederzeit tun. In den meisten Fällen bringen Vorsätze wie „ab heute nutze ich mein Smartphone weniger" allerdings nichts. Besser ist es, sich alternative Verhaltensweisen auszudenken und diese zu trainieren. Beispielsweise der Blick auf die Uhr statt auf die Anzeige des Smartphones. Auch wer seinen Wecker längst eingemottet hat, weil das Handy morgens viel sanfter weckt, sollte diesen schleunigst wieder aufstellen. So beginnt die Smartphone-Nutzung nicht schon beim Aufstehen, sondern z. B. erst während der Busfahrt zur Uni. Noch besser ist es, sich für die Busfahrt ein Buch einzustecken und sich nach einem kurzen Check der neuesten Mitteilungen und Statusänderungen in die gedruckte Lektüre zu vertiefen. Überhaupt ist es von Zeit zu Zeit ratsam, die Anzahl seiner Online-Profile zu prüfen. Denn wer in weniger sozialen Netzwerken aktiv ist, erhält auch weniger Statusmeldungen. Wo wir gerade beim Löschen sind: Räumt doch gleich noch bei euren Apps auf. Nicht jedes Spiel braucht ihr und nicht jeden Dienst. Beispielsweise muss man nicht mit dem Smartphone bezahlen – das gute, alte Portemonnaie reicht auch heute noch völlig aus. Ebenso ist es hilfreich, ein online gebuchtes Ticket für die Bahn auszudrucken, wenn man sich von seinem Smartphone distanzieren will. Und nicht zuletzt: Setzt euch mehrere feste Zeiten am Tag, in dem ihr das Handy in den Offline-Modus schaltet, zum Beispiel während der Mittagspause in Mensa oder Kantine.

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