Personalerdeutsch: Stellenanzeigen richtig lesen

In Kooperation mit Hesse/Schrader – Büro für Berufsstrategie www.berufsstrategie.de

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Bei der Suche nach einem Job, kommst du an einer Sache garantiert nicht vorbei: dem Studium der Stellenanzeigen im Internet und in der Zeitung. Obwohl immer mehr Jobs über Networking vergeben werden, sind sie für jeden Bewerber immer noch Pflichtlektüre. Sie zu verstehen ist manchmal jedoch eine wahre Kunst. Seltsame Wörter und Begriffe sowie geheimnisvoll klingende Berufsbezeichnungen scheinen von dort auf dich einzustürmen.

Da heißt es beispielsweise „Wir bieten ein dynamisches Arbeitsumfeld“ oder „Gesucht wird ein Junior Researcher mit fundierten Fachkenntnissen in Tax, Legal and Audit“. Gerade Berufsanfängern ist oft nicht klar, was sich hinter diesen Schlagwörtern verbirgt. Die richtige Deutung der Firmenpräsentation und der Anforderungen sind für dich als Bewerber jedoch spielentscheidend. Denn nur so weißt du, ob du mit deinem Profil ins Unternehmen und auf die ausgeschriebene Stelle passt. Wer sich von vorneherein falsche Vorstellungen von der gewünschten Position macht, bekommt sehr wahrscheinlich nicht einmal eine Einladung zum Bewerbungsgespräch, da Anschreiben und Lebenslauf nicht konkret genug formuliert werden. Da hilft es, das typische Personalerdeutsch verstehen zu können.

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Das Grundgerüst einer Stellenanzeige

Stellenanzeigen folgen meistens einer klaren und immer wiederkehrenden Gliederung: Wer wir sind, was wir suchen, was wir erwarten und was wir bieten oder anders ausgedrückt:

  1. Die Firmendarstellung
  2. Das Stellenangebot
  3. Die Anforderungen
  4. Hinweise auf Vergütung, Einstellungsdatum, Aufstiegschancen, Arbeitszeiten, Bewerbungsfrist, Bezahlung, Eintrittsterm, Einarbeitung (leider nicht immer gegeben), etc.

Das ist das Grundgerüst, das es zu analysieren gilt. Darüber hinaus enthält fast jedes Stellenangebot die Art der gewünschten Kontaktaufnahme, also die bevorzugte Bewerbungsform (vollständige schriftliche Bewerbungsunterlagen, Bewerbung per E-Mail, Online-Formular etc.).

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1 . Die Firmendarstellung

Mit dem Firmenporträt überreicht dir das Unternehmen sozusagen seine Visitenkarte, mit der es sich positioniert und dir sein grundlegendes Selbstverständnis mitteilt. Klein- und mittelständische Unternehmen liefern hier in der Regel vermehrt auch Informationen über Branche, Märkte und Produkte sowie den Kundenkreis – im Gegensatz zu Großkonzernen, deren Produkte eher bekannt sind.

Oft finden sich an dieser Stelle Formulierungen wie: „Wir sind führend in…“ oder „Mit über 300 Filialen in ganz Deutschland…“ Das lässt schon erkennen, dass dieser Teil nicht nur der Werbung um die Bewerber dient, sondern auch der eigenen Imagepflege. Dennoch kannst du an der Selbstpräsentation schon wichtige Informationen ablesen: Gibt sich das Unternehmen modern, international oder eher konservativ? Ist eine Firmenphilosophie erkennbar? „Wir betreuen Kunden aus verschiedenen Branchen“, drückt beispielsweise aus, dass du gut im Umgang mit den unterschiedlichsten Menschen sein solltest. „Wir sind in ganz Europa vertreten…“ deutet darauf hin, dass Mehrsprachigkeit auf jeden Fall von Vorteil ist. Wirst du in der Anzeige geduzt, will die Firma jung erscheinen und auf fortschrittliche Unternehmensstrukturen hinweisen.

Frage dich, wie die Anzeige auf dich persönlich wirkt. Format, Gestaltung und Text geben einen ersten Eindruck über die Seriosität eines Arbeitgebers und sagen zudem einiges darüber aus, welchen Wert das Unternehmen der Stelle zuweist. Aber nicht jeder großartig beworbene Job ist es dann auch in der Arbeitsrealität und umgekehrt: Hinter einem langweiligen oder unzureichenden Text muss nicht unbedingt ein trister Job stehen. Probieren geht dann doch wirklich über studieren.

In Ausnahmefällen können Anzeigen auch „unecht“ sein, z.B. dann, wenn sie als reines Werbeinstrument missbraucht werden, um vielleicht der Konkurrenz etwas vorzumachen. Mit Vorsicht sind auch solche Angebote zu genießen, in denen du eine kostenpflichtige Hotline anrufen sollst, wenn Tätigkeiten ungenau beschrieben und keine Qualifikationen verlangt werden sowie bei utopischen Verdienstaussichten. Hast du beim Lesen gleich ein ungutes Gefühl, ist das ein wichtiges Signal, auf das du hören solltest. Dann macht es eigentlich keinen Sinn mehr, sich dort zu bewerben. Das ist pure Verschwendung deiner Zeit, die du besser für die weitere Suche aufwenden solltest.

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2. Das Stellenangebot

Manchmal ist es gar nicht so leicht zu sagen, wen das Unternehmen eigentlich sucht. Das liegt zum Teil daran, dass die Anzahl von Fachausdrücken und englischen Worteinsprengseln in Stellenanzeigen stetig zunimmt. Ersteres hat den Zweck, Laien sofort auszusortieren. Zweiteres betont das internationale Umfeld, in dem sich das Unternehmen bewegt. Das kann für dich bei der Entscheidung für einen Ausbilder schon wichtig sein, wenn du z.B. bei Banken, im Tourismus oder in der Werbung Karriere machen möchtest. Bewerber mit guten Englischkenntnissen können an dieser Stelle richtig gut punkten. Manchmal gibt es auch einfach kein deutsches Wort für die englische Berufsbezeichnung oder es handelt sich um firmeninterne Begriffe, die der Leser überhaupt nicht kennen kann. Generell helfen Internetrecherche, Fachzeitschriften, Ratgeber-Literatur und nicht zuletzt Freunde und Bekannte, die in der jeweiligen Branche arbeiten, bei der Entschlüsselung der Titelbezeichnungen und Fachtermini.

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3. Die Anforderungen

Jetzt geht es ans Eingemachte, denn hier werden die zentralen Daten und Fakten der zu besetzenden Stelle aufgeführt. Diese gilt es, herauszufiltern. Welche Aufgaben sind zu bewältigen? Welche Fähigkeiten werden von dir erwartet? Zunächst lassen sich die Anforderungen in Hard sowie Soft Skills unterteilen.

Die Hard Skills sind die harten Fakten, zum Beispiel Aus- und Weiterbildungsabschlüsse (dein Abitur, deine Ausbildung oder dein Studienabschluss wie Diplom-Soziologin, Ingenieur, etc., Auslandserfahrung, Sprachen) oder deine bisherigen Berufserfahrungen. Zu den Soft Skills oder weichen Kriterien zählen soziale Kompetenzen, wie Kommunikationsfähigkeit oder Teamfähigkeit, aber auch Organisationsgeschick, Stressresistenz und Überzeugungskraft. Hier bist du gefragt, eine eigene Einschätzung deiner Persönlichkeit abzugeben, denn wie will man z.B. belegen, stressresistent zu sein?

Dennoch sind sie kein zu vernachlässigendes Kriterium. Im Gegenteil: Soft Skills werden in der Arbeitswelt immer wichtiger und gehören zu den Schlüsselkompetenzen für deine weitere Karriere. Werden in der Anzeige bestimmte Soft Skills explizit gefordert, erhältst du ein weiteres Puzzleteil, um das Bild des zukünftigen Arbeitsplatzes etwas mehr zu vervollständigen: Wenn z.B. Flexibilität und Motivation gefragt sind, bedeutet das übersetzt sehr wahrscheinlich Terminstress und ständig Überstunden.

Generell sind die ersten drei erwarteten Qualifikationen die wichtigsten. Darüber hinaus lassen sich die Anforderungen auch noch in Muss- und Kann-Kriterien unterteilen. Letztere sind Zusatzqualifikationen, mit denen sich der Bewerber von der Konkurrenz abheben kann. Muss-Kriterien werden ganz eindeutig formuliert: Bei Sätzen wie „Voraussetzung ist…“, „Erwartet wird…“ oder „Sie sollten über... verfügen“ dürfen deine Fähigkeiten nicht allzu stark abweichen, denn schließlich handelt es sich dabei um die Erfüllung der fachlichen Voraussetzungen, die für die Stelle benötigt werden. Kann-Kriterien sind abgeschwächt durch Formulierungen wie „idealerweise“, „ist wünschenswert“, „ein Plus wäre“ oder „sind von Vorteil“. Sie signalisieren: „Wir bevorzugen Bewerber, die über dieses Merkmal verfügen“. Wer das mitbringt, für den erhöhen sich die Chancen auf die Stelle. Es ist für das Unternehmen aber auch vorstellbar, dass du diese Eigenschaften erst im Job entwickelst.

Exkurs: Alleskönner und Universalspezialisten
Oftmals scheint ein Alleskönner gewünscht. Am besten bist du 23 Jahre alt, hast einen Ausbildungs- oder Studienabschluss mit Auszeichnung in der Tasche und mindestens fünf Jahre Berufserfahrung auf dem Buckel. Etwas zugespitzt formuliert, aber so in der Art lassen sich viele Jobangebote lesen. Insbesondere für Anfänger und Einsteiger sind allzu hohe Anforderungen in Stellenanzeigen entmutigend. Trau dich trotzdem, dich dort zu bewerben, denn so viel ist sicher: Die „eierlegende Wollmilchsau“ gibt es nicht einmal im Märchen! Entspricht das Stellenangebot zu circa 60 Prozent deinem Profil, also deiner Ausbildung und deinen Fähigkeiten, solltest du dich in jedem Fall bewerben. Und es gibt sogar Beispiele, wo Bewerber trotz fehlender Kenntnisse oder ohne exakt die geforderte Ausbildung vorweisen zu können den Job bekommen haben. Wie das geht? Mit einer guten Bewerbung! Lies dir die Anzeige also mehrmals durch, schreib dir die wesentlichen Stichworte raus, die du nach Wichtigkeit sortierst und gleiche sie dann mit dem ab, was du selbst zu bieten hast. Und schon hast du die wichtigsten Argumente für deinen Lebenslauf und das Anschreiben zusammen!

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4. Weitere Hinweise

Leider wird in Stellenprofilen viel darüber geschrieben, was der Arbeitgeber alles erwartet und nur selten, was er zu bieten hat. Schöner ist es natürlich, wenn du in der Anzeige auch Hinweise zu den Arbeitsbedingungen findest: Bezahlung, Start, Einarbeitung, Arbeitszeiten, Aufstiegschancen etc. Im Idealfall steht in der Anzeige auch die komplette Post- bzw. E-Mail-Adresse mit Telefon und Ansprechpartner. Inzwischen wird häufig die Bewerbung per E-Mail oder über Online-Plattformen angefordert – nicht zuletzt, um als umweltbewusstes Unternehmen zu gelten. In Einzelfällen, gerade in öffentlichen Einrichtungen, ist aber auch noch die klassische Bewerbungsmappe gewünscht. Und noch etwas: Steht in der Stellenanzeige, dass du einen Gehaltswunsch nennen sollst, dann mach das unbedingt! Auch zu diesem Thema solltest du vorher aber ein paar Erkundigen im Netz, bei Bekannten etc. einholen.

Exkurs: Offene Fragen
Der Anzeigentext lässt mehr Fragen entstehen als Infos rüberkommen? Die Formulierungen erscheinen dir stark verallgemeinert, unscharf oder missverständlich? Du kannst dir unter dem Tätigkeitsfeld nichts Konkretes vorstellen? Bevor du jetzt deine Wunschvorstellungen in die Anforderungen und Aufgaben hineindeutest – nimm lieber Kontakt mit dem Unternehmen auf, entweder per Telefon oder E-Mail. Vor allem dann, wenn keine Bewerbungsfrist angegeben ist, denn nichts verdient den Titel „dumm gelaufen“ mehr als eine gute Bewerbung geschrieben zu haben, für die bereits die Frist verstrichen ist.

Die besten Auskünfte über ein Unternehmen bekommst du übrigens, wenn du auf dort beschäftigte Mitarbeiter triffst und ihnen ein paar Fragen stellen darfst. Schau dich doch mal in deinen Social Media-Netzwerken um – vielleicht kennst du ja jemanden, der jemanden kennt, der jemanden kennt...

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Lesetipp:

Die 100 wichtigsten Tipps für Ausbildungsplatzsuchende

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  • Neue Bewerbungswege: Telefon und Internet
  • Selbst aktiv werden: Ausbildungsplatzgesuche
  • Um keine Antwort verlegen: das erfolgreiche Vorstellungsgespräch

Erschienen:

  • 2013 bei STARK Verlag/Hallbergmoos
  • 160 Seitenbroschiert
  • ISBN: 3866686005
  • EAN: 9783866686007
  • Erschienen: Dez. 2015 bei Stark Verlag/Hallbergmoos
  • mit CD-Rom (Windows)
  • ISBN: 3849020439EAN: 9783849020439
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