Neue Wege der Bewerbung

In Kooperation mit Hesse/Schrader – Büro für Berufsstrategie www.berufsstrategie.de

nach oben

Bewerbungen haben eine Konstante: Du darfst nicht langweilen und (fast) alles war schon mal da. Erfolgreiche Bewerbungen leben von einem seriösen Fundament und der Abwechslung. Das Fundament sind ein überzeugendes Anschreiben und der Lebenslauf: Warum möchte ich bei dieser Firma oder jener Institution die Stelle? Der Lebenslauf gibt Auskunft über den bisherigen beruflichen Werdegang und die erworbenen Kompetenzen.

nach oben

Einfallsreich zum Erfolg

Der Trend geht hier seit Jahren zu Online-Bewerbungen. Die Forschungsgruppe Wahlen Online hat in einer Studie festgestellt, dass jeder zweite Arbeitnehmer (53 Prozent), der seinen Job als unsicher einstuft, via Internet nach einer neuen Stelle sucht. Bei den Arbeitslosen sind es sogar 87 Prozent, die online recherchieren. Jeder dritte Nutzer ab 18 Jahren (33 Prozent) fahndet virtuell nach der Traumstelle – Tendenz steigend. Besonders junge Bewerber wie du setzen auf das Internet. Eine eigene Homepage mit beruflichen Stationen, besonderen Fertigkeiten, sozialem Engagement beeindrucken Firmen. Die Bewerber zeigen technische Kompetenz, sind auf der Höhe der Zeit und können Bilder oder auch Videos für ihr Selbstmarketing einbauen.

Stichwort Selbstmarketing oder die Marke Ich. Wer heute als Kandidat auf dem Arbeitsmarkt bestehen will, muss sich von der Konkurrenz abheben. Die Bewerber verkaufen ihr Können und Talent, Ausbildungsplatzsucher Ihre hohe Motivation und Lernbereitschaft. Sie überzeugen im Kern mit ihrer Persönlichkeit (Charakter) und ihren Fähigkeiten, die sie anhand von Beispielen wie Arbeitsproben im PDF-Format oder Links zur eigenen Homepage mit weiteren Informationen untermauern. Die Selbst-Präsentation in sozialen Netzwerken wie Xing, LinkedIn, Blogs oder Facebook ist dann gut, wenn der Bewerber den Fokus auf seine beruflichen Stationen legt. Aber bitte keine Details aus dem Privatleben mit Urlaubsschnappschüssen. Das gehört in keine Bewerbung und insbesondere junge Bewerber sollte darauf achten: Das Internet vergisst nichts!

In der Kreativwirtschaft wie in Werbeagenturen oder Start-ups kommen Video-Bewerbungen gut an. Allerdings setzen diese eine gewisse Professionalität bei der Produktion voraus. Hier gilt wie beim Bewerbungsfoto: keine Aufnahmen, die aussehen wie aus dem Automaten! Eine gute Videokamera, die eigene Botschaft warum man der beste für den Job ist und Kontaktdaten sollten Inhalt eines solchen Films sein. In der Kürze liegt die Würze: Kein Personaler schaut sich ein halbstündiges Video an. Bewerber sollten daher nicht über drei Minuten gehen. Bei eher konservativen Branchen (Banken, Handel, Versicherungen, Öffentlicher Dienst) bevorzugen Personalentscheider klassische Bewerbungen: Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse und eventuell Arbeitsproben. Sind sich Bewerber unsicher, was sie alles mitschicken sollen, dann loht sich ein Griff zum Telefon. Ein kurzes Gespräch mit der Wunschfirma gibt bereits einen ersten Eindruck von der Stimmung dort. Auch hier zählt: Frage(n) kurz und prägnant stellen.

nach oben

Ob off- oder online – die „K-L-P-Formel“ öffnet dir die Türen:

Kompetenz (K= was du alles kannst, weißt), Leistungsmotivation (L= was willst du leisten) und deine Persönlichkeit (P= wer du bist) führen zum Erfolg!

Du solltest bei all deinen kreativen Ideen jedoch nicht vergessen, dass „der Wurm dem Fisch und nicht dem Angler schmecken muss“. Oder anders gesagt: Deine Idee und deren Umsetzung sollte zum Wunschbetrieb passen. Nicht, dass es dir so ergeht, wie in folgendem Beispiel:

Der Einfallsreichtum bei Bewerbungen treibt gelegentlich skurrile Blüten und nicht jede ausgefallene Idee findet beim Adressaten den erwünschten Beifall. Der Geschäftsführer einer Werbeagentur staunte nicht schlecht, als er von einem Bewerber einen Fön mit der Aufschrift „Ich sorge für frischen Wind“ in den Händen hielt. Dieser blies dem vermeintlich Kreativen scharf ins Gesicht zurück und die Antwort ließ an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: „Heiße Luft machen können wir selber!“

Das ging gründlich schief... Nicht jeder ungewöhnliche Bewerbungsweg führt zum gewünschten Erfolg, indes ist es gerade für Azubis und Berufsanfänger nach der Ausbildung empfehlenswert durch einen eigenen USP (Unique Selling Proposition), also das persönliche Alleinstellungsmerkmal gegenüber der Konkurrenz, in der Bewerbung ausgetretene Pfade zu verlassen. So signalisiert man geistige Beweglichkeit sowie Selbstbewusstsein: Zwei wichtige Faktoren für den beruflichen Ein- und Aufstieg. Deshalb sollten Jungakademiker besonderen Wert auf eine Bewerbungsmappe mit ausgefeilter, persönlicher Note legen. Denn die schriftlichen Unterlagen sind die erste Arbeitsprobe, die der potenzielle Brötchengeber zu sehen bekommt und da zählt neben dem Kompetenznachweis, der hohen Leistungsmotivation insbesondere die Persönlichkeit.

Es gilt also, Marketing in eigener Sache zu betreiben. Das Ziel: auffallen, herausstechen aus dem Heer der Bewerber, verdeutlichen, was du anzubieten hast. „Die Lebensläufe werden sich immer ähnlicher. Fast jeder Schulabgänger habe heute einige Praktika absolviert und deshalb wird die Verpackung immer wichtiger. Wenn die dem Personaler nicht ins Auge sticht, hat der Bewerber kaum eine Chance“, betont Karriereexperte Jürgen Hesse. Unrasiert zum Bewerbungsgespräch zu erscheinen, eine Mappe mit Kaffeeflecken oder Eselsohren abzugeben sowie Schlampereien bei der Online-Bewerbung, führt allerdings nur sehr selten zum Erfolg. Zwar gelte die Faustregel, bei konservativen Unternehmen (Banken, Versicherungen, Handel, Öffentlicher Dienst) nicht zu experimentierfreudig zu sein. Dennoch solltest du die Bandbreite der Möglichkeiten versuchen auszuschöpfen: Warum nicht mal eine Bewerbung im Querformat? Das fällt sofort auf, ist aber nicht weniger seriös als in herkömmlichen Abmessungen.

Die wichtigste Komponente der Bewerbungsunterlagen ist immer noch das Foto: Menschen, die hier sympathisch wirken, haben immer bessere Chancen. „Natürlich ist es nicht gerecht, wenn hübschere Menschen deshalb bessere Aussichten auf einen Job haben", sagt Hesse. "Aber das ist nun einmal so, deshalb muss jeder das Beste daraus machen." Du musst zwar seit 2008 durch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) kein Foto mehr mitschicken, aber wir empfehlen es dir dennoch. Außer du wirst in einer Stellenanzeige ausdrücklich darauf hingewiesen, kein Bild mitzuschicken. Du kannst beispielweise bei den Fotos auch mehrere verwenden, zum Beispiel eine Aneinanderreihung von zwei, drei Porträtfotos (eins auf dem Deckblatt, ein anderes auf dem Lebenslauf und ein eventuell ein weiteres bei der Auflistung deiner Anlagen mit Zeugnissen, Arbeitsproben etc.), die dich als Kandidaten jeweils aus einem anderen Winkel zeigen. Genauso könne man auch Arme, Hände und Oberkörper mit aufs Bild nehmen und sich in einer Gesprächssituation ablichten lassen. Das vermittelt Dynamik.

nach oben

„Gepflasterte Postkarte“

Neben dem klassischen Aufbau der Bewerbungsunterlagen gibt es auch andere Formen, die bei der Stellensuche zum Erfolg führen, etwa den Bewerbungsflyer, die Profilcard oder den Bewerbungssticker. Als Jobsuchender kannst du diese Nachweise deiner Kreativität beispielsweise auf Jobmessen und Bewerberbörsen gut als Ersatz für Visitenkarten verteilen. Hier schlüpfst du als Bewerber in die Rolle des Anbieters und hast nur sehr wenig Platz, dich und deine Fähigkeiten darzustellen. Deshalb sollte jedes Wort passen. Auch bei der graphischen Umsetzung solltest du dir helfen lassen, wenn du nicht ganz fit mit Photoshop und InDesign bist.

Positives Beispiel für eine solche Kurzform der Bewerbung ist ein Sticker für eine Lehrstelle in Marketing/Werbung/Public Relations mit dem Slogan: "Keiner will eine Zahl sein - auch wenn Zahlen zählen". Diesen Slogan kannst du grafisch zwischen lauter Zahlenreihen unterbringen. Oder die Postkarte bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz als Arzthelferin: geschmückt mit einem Pflaster. Biete dich als künftige Assistentin für die „erste Hilfe für Praxen“ an. Die Bildsprache stimmt und bleibt jedem Arzt im Gedächtnis.

Solche Ideen bleiben viel eher in Erinnerung als eine konventionelle Bewerbungsmappe: du zeigst, dass du dir richtig Mühe gegeben hast – ein großer Vorteil gegenüber der Konkurrenz. Aber bitte vergiss nicht: all deine Einfälle, Konzepte und Umsetzungen sollten zum Adressaten passen. Denke bei deinem ganzen Bewerbungsprozess an den Arbeitgeber, versuche, dich in ihn hineinzuversetzen. Und recherchiere gründlich die Webseiten der Unternehmen und Institutionen, das ist die halbe Miete für eine gelungene Bewerbung.

nach oben

Buchtipp:

Neue Formen der Bewerbung

Innovative Strategien, Einzigartige Gestaltungsideen, Netzwerke erfolgreich nutzen
(von Jürgen Hesse, Hans Christian Schrader)

Kann man mit einer besonders ungewöhnlichen Bewerbung erfolgreich sein?

Ja - sofern man authentisch bleibt, die Unterlagen auf die Branche abstimmt und sich positiv von den Mitbewerbern abhebt. Denn egal ob man die klassische schriftliche Bewerbung, die digitale Variante wählt oder gleich auf die persönliche Kontaktaufnahme setzt: Entscheidend ist die Idee, die die Bewerbung unverwechselbar macht. Kompetent und praxisnah zeigen die Bewerbungsprofis Hesse/Schrader, wie man das Interesse des Personalchefs

Inhalte:

  • Innovativ: Blog und Bewerbungsvideo
  • Social Networks: Xing, Facebook & Co.
  • Kreativ: Plakat, Profilcard, Steckbrief
  • Vernetzt: Recruiting-Messen und Visitenkarten-Partys

Erschienen:

  • 2013 bei STARK Verlag/Hallbergmoos
  • 160 Seiten
  • Broschur
  • ISBN: 3866687966
  • EAN: 9783866687967
nach oben

Weitere Tipps, Tests und Artikel

Strategien zur Vermeidung bzw. besseren Handhabung von Stresssituationen

Die Wichtigkeit von Körpersprache wird oft unterschätzt. Schau dir hier unser Video an!

Sieh dir hier das Making-of Video zu unserem Proberaum Fotoshooting an

Bei Absagen kann leicht das Gefühl des „Versagens“ aufkommen