Mehr tut mir nicht gut: Trend zum Minimalismus

Ob die fünfzehn Jeans im Schrank, die fünf Shampoos im Bad, die fünfhundert Freunde auf Facebook oder der überquellende Terminkalender: Unser Leben ist vom Überfluss geprägt. Immer mehr Menschen wird das zu viel. Sie sehnen sich nach einem leichteren, einfacheren Leben.

In Deutschland war keine andere Zeit so komfortabel wie die jetzige. Wenn etwas fehlt, kann man es nahezu rund um die Uhr kaufen. Falls der Supermarkt um die Ecke schon zu hat, gibt es das Begehrte vielleicht in der Tanke ein paar Straßen weiter. Für die Geburtstagseinladung am Wochenende fehlt noch eine schicke Hose? Die lässt sich fix übers Internet besorgen. Und falls man spontan Lust auf Pizza hat, bestellt man sich kurzerhand eine beim Bringdienst. Eigentlich müsste doch jeder – wie die Made im Speck – rundum zufrieden sein. Doch gerade die riesigen Möglichkeiten des Konsums scheinen dazu zu führen, dass viele Leute eine innere Unzufriedenheit und Leere spüren.

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Konsum: Die Qual der Wahl

Hinzu kommt der Zwang, sich ständig entscheiden zu müssen. Denn wer abends mit seiner Pizza vor dem Fernsehen entspannen möchte, hat die Qual der Wahl zwischen einigen hundert TV-Sendern und in jeder größeren Stadt mindestens zehn Pizza-Lieferdiensten, die mit unterschiedlichen Angeboten um die Gunst der Käufer buhlen. Selbst der Kauf eines schlichten Shampoos kann einen in die Verzweiflung treiben: Ist das Shampoo mit Patchouli & Jasmin und Lift-up-Effekt besser geeignet oder das Sensitiv Shampoo mit Mandel und Hamamelis?

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Simple Living: Der Trend zum Minimalismus kommt aus den USA

Das soziale Leben ist ebenfalls vom Überfluss geprägt. Waren es früher eine handvoll Freunde, um die man sich kümmern musste, so hat heute jeder neben den „echten" Freunden noch hunderte von Freundschaften in den sozialen Netzwerken. Immer mehr Menschen greifen zur Notbremse, indem sie auf übermäßigen Konsum verzichten und eigene Verhaltensweisen kritisch hinterfragen. Der Trend zum Minimalismus kommt aus den USA und ist vor allem als Simple Living oder Downshifting bekannt. Dabei geht es nicht nur ums Kaufen und den damit einhergehenden wachsenden Stapel an Besitz, sondern auch um Beziehungen, eigenes Verhalten, Freizeit und Arbeit. Minimalisten wollen aus der konsumorientierten Überflussgesellschaft und den damit einhergehenden Alltagszwängen ausbrechen. Oft sind äußere Lebensumstände wie ein Umzug oder die Familiengründung der Auslöser, die alten Wertevorstellungen und Verhaltensweisen zu überdenken. Auch ist der Schritt in ein einfacheres Leben sehr unterschiedlich: Manche Minimalisten entrümpeln zunächst ihre Wohnung, andere räumen unter ihren sechs Online-Profilen und 500 Facebook-Freunden auf oder streichen überflüssige Termin im Kalender. Das Ziel ist bei allen aber das gleiche: Sein Leben leichter und erfüllter zu gestalten – und vor allem selbstbestimmter.

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Aufräumaktion: Aller Anfang ist schwierig

Richtige Hardcore-Minimalisten sortieren so gründlich aus, dass sie wirklich nur noch das Nötigste besitzen. Natürlich muss man nicht gleich so weit gehen und sich von Auto, seiner Büchersammlung, dem Großteil seiner Möbel und den Kleidern sowie sämtlichen Facebook-Freunden trennen, doch ein bisschen weniger Überfluss tut häufig gut. Am besten fängt man da an, wo einen die überquellenden Dinge extrem stören. Das kann z. B. die Kommode im Flur, der Schreibtisch oder der Kleiderschrank sein.

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Konsumfasten: Schärft den Blick auf das Notwendige

Damit die Aufräumaktion nicht in Stress ausartet, geht man kleinschrittig vor. Zunächst wird der Schrank oder Schreibtisch komplett leer geräumt und geputzt. Der Haufen auf dem Fußboden wird in drei kleine Haufen aufgeteilt: Einer für die Dinge, die man behalten möchte, einer für alles kaputte, unbrauchbare bzw. all das, was man seit mindestens einem Jahr nicht mehr angefasst hat. Auf den dritten Stapel kommen die Sachen, bei denen man unsicher ist. Nun wird der erste Stapel wieder in den Schrank geräumt, die Dinge vom zweiten wandern in den Müll, werden verschenkt oder verkauft und die vom dritten werden in einem Karton zwischengelagert. Nach einigen Monaten wird erneut entschieden, was mit ihnen passiert. Alles, was ein Jahr lang nicht gebraucht wurde, kommt schließlich endgültig weg. Wer nicht radikal ausmisten möchte, kann auch einfach für einen vorher festgelegten Zeitraum – z. B. vier Wochen – nur das Nötigste kaufen. Oft merkt man erst bei diesem so genannten Konsumfasten, wie viel überflüssigen Kram man kauft, weil er z. B. schön aussieht oder man ihn irgendwann gebrauchen könnte – was tatsächlich aber nie der Fall ist.

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