Ich bin dann mal weg – Freiwilliges Soziales Jahr im Ausland

Das hört mancher, der sich für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Ausland entschieden hat. Beim FSJ handelt es sich um einen sozialen Dienst, der als praktische Hilfstätigkeit in sozial-karitativen oder gemeinnützigen Einrichtungen geleistet wird. Die Einsatzstellen sind z. B. Kinder- und Jugendheime, Einrichtungen für Behinderte oder auch Projekte für Straßenkinder. Dementsprechend können die Aufgaben sehr unterschiedlich sein. Die gesammelten Erfahrungen prägen oft das spätere Leben, viele Freiwillige verschwenden im Ausland nicht ihre Zeit, sondern sammeln wertvolle Erfahrungen für ihre Zukunft.

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Das FSJ – ideal nach der Schule

Jeder, der seine Vollzeitschulpflicht erfüllt und das 27.Lebensjahr noch nicht vollendet hat, kann freiwilligen sozialen Dienst im Ausland leisten. Ideal ist der Zeitraum zwischen Schulabschluss und Ausbildung oder Studium. „Ich wollte nach der Theorie und dem Lernen in der Schule und vor dem Beginn des Lernens im Studium unbedingt etwas Praktisches machen“, sagt Sabrina, die nach dem Abitur ein Jahr in einem Kinderheim in Brasilien gearbeitet hat.

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Wer zahlt was?

Die Rahmenbedingungen für das FSJ sind im Gesetz zur Förderung eines freiwilligen sozialen Jahres festgelegt. Beim FSJ handelt es sich nicht um eine berufliche Tätigkeit. Der Dienst wird durch die Zahlung eines Taschengeldes honoriert, Unterkunft und Verpflegung werden teilweise gestellt. Die Beiträge zur gesetzlichen Kranken- Renten-, Unfall-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung zahlt der Träger. Es besteht außerdem Anspruch auf Fortzahlung des Kindergeldes. Das FSJ wird als Wartezeit auf einen Studienplatz angerechnet, für einige Studiengänge kann es überdies als Praktikum anerkannt werden. Eigenkosten fallen dennoch an, nämlich für Hin- und Rückflug, Seminarkosten, Visa-Gebühren und eventuell Impfungen. „Weil ich das Geld für den Flug nach Brasilien nicht so leicht aufbringen konnte, habe ich in meinem Heimatort versucht, Sponsoren für mein Projekt zu finden. Dazu habe ich in der Kirchengemeinde und in verschiedenen Vereinen ausführlich über mein Vorhaben berichtet, und ich hatte Glück: Einige waren von meinem Projekt so begeistert, dass sie mich finanziell unterstützt haben“, berichtet Sabrina weiter. „Dafür werde ich regelmäßig Erfahrungsberichte schicken.“

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Gut vorbereitet ins Ausland

Allein ins europäische Ausland oder gar auf einen anderen Kontinent, davor mag manch einer zunächst zurückschrecken. Doch das Jahr wird schon in Deutschland mit einem Seminar und eventuell einem Sprachkurs vorbereitet. „Wir hatten eine supergute Zeit, haben viel gelernt, aber auch viel Spaß gehabt. Während unseres Dienstes wollen wir auf jeden Fall Kontakt halten und Erfahrungen austauschen“, resümiert Vanessa ihr Vorbereitungsseminar. Meist finden auch im Ausland begleitende Seminare statt.

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Der Mentor hilft vor Ort

Jeder Freiwillige hat während des ganzen Jahres einen persönlichen Mentor, der bei Fragen und Problemen Ansprechpartner ist und fachliche Unterstützung leistet. Im Ausland kommen dann zunächst Freiwillige aus verschiedenen Ländern zusammen, die den gleichen Einsatzort haben. Sie werden nun intensiv auf ihre spezifischen Aufgaben vorbereitet. Auch das Erlernen der Sprache ist wichtig, um die Aufgaben überhaupt erfüllen zu können. „Nachdem ich in der Schule schon sehr gut in Englisch und Französisch gewesen war und während eines sechsmonatigen Aufenthaltes in Portugal portugiesisch gelernt hatte, wollte ich gern noch eine ganz andere Sprach dazulernen“, nennt Jan einen seiner Gründe, warum er sein FSJ in Ungarn verbringen wollte. „Ich hätte nicht gedacht, dass ungarisch so schwierig ist. Es hat letztendlich mehrere Monate gedauert, bis ich mit der Sprache richtig gut klar gekommen bin. Das ging dann aber von einem Tag auf den anderen, so als wäre ein Knoten geplatzt. Und mir ist erst richtig klar geworden, wie wichtig Sprache für unser Miteinander im Leben ist.“

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Startschwierigkeiten

Sprachprobleme machen oft einen großen Teil der Startschwierigkeiten aus. Da fühlt man sich schnell einsam, kulturelle Unterschiede, mit denen man vielleicht nicht gerechnet hatte, kommen hinzu. Auch das Essen kann ganz anders und gewöhnungsbedürftig sein. Bei Problemen im Dienst kann man sich zwar an den Mentor wenden, aber das Wohlfühlen im Alltag stellt sich nicht automatisch ein. Hier kann es hilfreich sein, über die gewohnten Hobbys Anschluss zu finden: Wer gern Gitarre oder Geige spielt, sollte sein Instrument unbedingt mitnehmen – vielleicht finden sich Mitspieler? Sprachprobleme spielen dann nicht so eine große Rolle. „Glücklicherweise habe ich eine Capoeira-Gruppe vor Ort gefunden. Sport in der Gruppe ist mir wichtig, bei meinem FSJ habe ich so schnell nette Leute kennen gelernt“, berichtet Lea über ihre Startschwierigkeiten. „Dadurch habe ich mich viel schneller eingelebt.“ Aber auch die eigentliche Arbeit läuft nicht immer sofort reibungslos: „Zu meinem Aufgaben im Jugendwohnheim in Polen gehörte es, ein Englisch- und ein Bastelprojekt zu organisieren. Einige der Kids waren nur ein halbes Jahr jünger als ich, es war zu Anfang gar nicht so leicht, mir Respekt zu verschaffen. Zumal die Kids z. T. aus schwierigen familiären Verhältnissen kamen“, erinnert sich Robert an den Beginn seines Jahres im Ausland.

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Das FSJ hilft, Perspektiven zu finden

Aber für die meisten Anfangsprobleme gibt es bald eine Lösung. „Meine Erfahrungen in Polen haben mir die Augen geöffnet dafür, wie einfach doch viele Dinge in Deutschland sind. Wir haben einige Familien besucht, deren Kinder in unserem Wohnheim lebten, um von dort aus eine Schule zu besuchen. Sie kamen aus sehr einfachen Verhältnissen, das Plumpsklo auf dem Hof war selbstverständlich. Trotzdem waren die Eltern sehr gastfreundlich und auch sehr interessiert an dem Schulbesuch ihrer Kinder. Auslandserfahrung hilft, die eigene Lebensweise kritisch zu überprüfen“, zieht Robert Bilanz, wenn er an sein FSJ in Polen zurückdenkt. Vielen Jugendlichen hilft das FSJ auch bei der endgültigen Berufsfindung, sie können praktisch erfahren, ob ein sozialer Beruf für sie das Richtige ist.

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