Die Frustfalle – Mit Absagen umgehen

In Kooperation mit Hesse/Schrader – Büro für Berufsstrategie www.berufsstrategie.de

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Wieder eine Absage. Wütend und frustriert haust du die Faust auf den Schreibtisch. Diesen Ausbildungsplatz wolltest du unbedingt haben. Und prompt folgen die Selbstzweifel: „Bin ich nicht gut genug? Was haben die anderen, was ich nicht habe? Macht es überhaupt noch Sinn, sich zu bewerben, wo mich ja anscheinend sowieso keiner will?“

Bei Absagen kann leicht das Gefühl des „Versagens“ aufkommen. Lass dich von solchen negativen Gedanken jedoch nicht runterziehen. Denn die wichtigste Regel im Umgang mit Absagen lautet: Nimm sie nicht persönlich! Zugegeben, leichter gesagt als getan

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Analysieren und verbessern

Woran liegt es, dass du keine Einladung zum Vorstellungsgespräch erhalten hast? Wenn nach der Teilnahme im Assessment Center eine Absage erfolgt? Oder besonders schmerzlich: Nach dem Bewerbungsgespräch unerwartet lange Funkstille herrscht? Natürlich bist du zunächst enttäuscht und das darfst du auch sein. Jedenfalls für einen kurzen Moment. Lass dich von vertrauten Menschen ruhig trösten... Aber dann geh es wieder an, denn Rückzug ist die falsche Strategie! Nichtstun bringt dich nirgendwohin und schon gar nicht zu deinem Traumjob!

Mögliche Gründe für die Absage gibt es viele: Deine Unterlagen wurden gar nicht erst in Augenschein genommen, die Nichte des Chefs hatte sich ebenfalls beworben oder dem Abteilungsleiter hat deine Nase nicht gepasst. Ja, auch das kommt vor, ist nur allzu menschlich und sollte dich keineswegs in Selbstzweifel stürzen. Ganz ehrlich: Beruhte die Antipathie nicht vielleicht sogar auf Gegenseitigkeit? Die Tatsache, dass jemand anders besser auf den Job zu passen scheint, bedeutet jedenfalls nicht, dass du ungeeignet oder schlechter bist bzw. weniger kannst. Es bedeutet aber, dass du noch einmal in dich gehen und an den Stellschrauben drehen solltest, auf die du wirklich Einfluss hast.

Falls die Absage bereits vor dem Vorstellungsgespräch kam, überprüfe deine Bewerbung noch einmal kritisch:

  • Sind deine Unterlagen tatsächlich klar strukturiert und im positiven Sinne informativ?
  • Würdest du dich selbst aufgrund deiner Bewerbungsunterlagen kennenlernen wollen?
  • Sind irgendwo Rechtschreibfehler versteckt?

Mit so genannten „08/15“ Unterlagen, also einer Bewerbung, die aussieht und sich liest wie alle anderen auch, oder der man sofort anmerkt, dass du sie im Gießkannenprinzip verschickt hast, gehst du im Bewerberstapel auf dem Personaler-Schreibtisch schnell unter und landest letztendlich im Papierkorb. Individuell und angepasst lautet hier die richtige Strategie: Lies so viel wie möglich über das Unternehmen, schreibe dir die wichtigsten Kriterien der Stellenanzeige heraus und entwickele daraufhin deine ganz persönliche Botschaft für genau diesen speziellen Arbeitgeber.

Botschaft? Ja, du willst doch überzeugen, auf dich aufmerksam machen... Inwiefern passt du mit deinen Eigenschaften und Qualifikationen auf diese Stelle? Wenn du nicht genau weißt, wie du das anstellen sollst, such dir Hilfe. Setz dich mit jemandem zusammen hin, und überlegt gemeinsam, was dich persönlich, aber auch beruflich ausmacht. Gib deine fertigen Unterlagen Familie und Freunden zur Durchsicht. Ideal ist es, sie jemandem zu zeigen, der in deiner Wunschbranche arbeitet. Denjenigen findest du möglicherweise über Netzwerke, wie Facebook, XING oder LinkedIn – nur nicht gleich „mit der Tür ins Haus fallen“, sondern bei der jeweiligen Person höflich vorfühlen. Auch eine professionelle Beratung ist eine gute Möglichkeit, die eigenen Qualifikationen inhaltlich und visuell ansprechend zu Papier zu bringen.

Experimentiere ruhig ein bisschen mit deinen Unterlagen, nachdem du alles nochmals mit deinen Unterstützern diskutiert und durchdacht hast. Manchmal ist es nur eine Kleinigkeit, manchmal liegt es auch einfach am falschen Zeitpunkt, dass die Bewerbung dich nicht zum Erfolg geführt hat.

Wenn die Absage erst nach dem Vorstellungsgespräch oder Assessment Center kam, ist vielleicht dein persönlicher Auftritt noch verbesserungsfähig:

  • Hast du dich wirklich gut auf das Gespräch vorbereitet? Konntest du auf Standardfragen angemessen zügig und flüssig antworten? Je mehr du geübt hast, desto sicherer bist du im Umgang mit dieser Quasi-Prüfungssituation.
  • Hat dich möglicherweise etwas aus dem Konzept gebracht? Wenn ja, was war es und warum?
  • Versuch dich daran zu erinnern: Wie wohl hast du dich während des Gesprächs gefühlt? Das ist ein erster Hinweis dafür, wie du auf dein Gegenüber gewirkt haben könntest. Wer sich wohlfühlt, der wird in der Regel auch eine gelassene Körpersprache/ Körperhaltung einnehmen, mit ruhiger Stimme sprechen und als freundlicher, angenehmer Gesprächspartner wahrgenommen werden. Wer hingegen nervös und unruhig ist, kann sich zumeist sehr schlecht so präsentieren, wie er gerne möchte. Und bei gleichwertiger fachlicher Kompetenz wird immer der souveräner wirkende Anwärter den Job erhalten.
  • Tipp: Versuche das Vorstellungsgespräch nicht als notwendiges Übel anzusehen, sondern freue dich darauf, dich präsentieren zu dürfen. Eine positive Einstellung kann schon viel bewirken.
  • Auf der anderen Seite verschaffst du mit einem zu selbstgefälligen Auftritt deinen Mitbewerbern ebenfalls einen Vorteil. Die richtige Mischung macht's!
  • Nicht zuletzt musst du nach einer Absage ganz ehrlich zu dir selbst sein. Wie sehr wolltest du diesen Job? Wie hoch war deine Motivation und hast du sie auch wirklich rübergebracht?

Die gute Nachricht: Auch Selbstdarstellung lässt sich trainieren. In einem ersten Schritt vor dem Spiegel, in einem zweiten vor Freunden oder Verwandten oder du besuchst ein Coaching oder Training, das dir hilft, Unsicherheiten zu überwinden und unnötige Fehler zu vermeiden. Versagensängste lassen sich auch durch bestätigende Selbstgespräche mindern wie: „Ich weiß wer ich bin, was ich will und was ich kann.“ Wenn du das täglich übst, wirst du merken, dass deine negativen Denkmuster langsam aufbrechen. Und wer vor allem mit Lampenfieber zu kämpfen hat: Atem- und Entspannungsübungen helfen – vor allem bei körperlichen Reaktionen, wie Schwindel oder Übelkeit.

Tipp: Schreib dir nach jedem Vorstellungsgespräch oder Assessment Center direkt auf, wie es gelaufen ist. Welche Fragen wurden gestellt? Wie hast du darauf geantwortet? Welche Reaktionen haben die Interviewer gezeigt? Warst du mit dir selbst zufrieden? Sprich auch mit Freunden und Bekannten über deine Erfahrungen. Wer auf diese Weise Bilanz zieht und sich selbst überprüft, wird es beim nächsten Mal garantiert (noch) besser machen. Vielleicht findet sich auch jemand, der in einem Rollenspiel die Situation Vorstellungsgespräch mit dir übt?

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Nach der Absage ist vor der Anstellung

Bist du nach wie vor davon überzeugt, den angestrebten Job oder den Ausbildungsplatz bestens auszufüllen? Vielleicht hast du sogar das Gefühl, schon kurz vor dem Ziel, der eigentlichen Zusage, gewesen zu sein? Für die meisten Kandidaten ist eine Bewerbung abgeschlossen, wenn sie eine Absage bekommen haben. Vielleicht machst du es einfach anders als all die anderen und meldest dich noch einmal bei dem Unternehmen. Zwei Formen der positiven Absagereaktion bieten sich dabei an:

Per Mail/ Brief

Eine Antwort per Mail oder Brief zeugt von einem selbstbewussten und kreativen Umgang mit der Absage. Schreib, dass es dich gefreut hat, das Unternehmen kennen gelernt zu haben (allerdings nur nach einem Vorstellungsgespräch) und drücke dein Bedauern darüber aus, dass es nicht geklappt hat. Natürlich in freundlichem Ton und ohne die Entscheidung an sich anzuzweifeln. Fasse abschließend noch einmal kurz zusammen, warum gerade dieser Job dir so gefallen hat, und vermittele dem Empfänger, auch zukünftig noch an einer Mitarbeit interessiert zu sein.

Eine gut formulierte Antwortmail bietet kurz- und mittelfristig neue Chancen:

  • Falls du sozusagen ein „Grenzfall“ warst, wirst du nach dem Schreiben eventuell doch noch zum Vorstellungsgespräch eingeladen.
  • Tritt ein anderer Bewerber zurück, greift man vielleicht auf dich zurück, da du dich so souverän verhalten und einen bleibenden positiven Eindruck hinterlassen hast.
  • Das Gleiche gilt für den Fall, dass sich der Konkurrent in der Probezeit als ungeeignet erweist.
  • Nicht zuletzt besteht die Möglichkeit, dass der Personalverantwortliche dich innerhalb der Firma für eine andere Position empfiehlt.

Die zweite Möglichkeit ist, dass du direkt beim Unternehmen anrufst (falls die Absage schriftlich kam):

Per Telefon

Wenn du eher der Mensch bist, der lieber direkt zum Hörer greift, bevor er lange Sätze formuliert, kannst du auch gerne anrufen. Aber nicht unüberlegt! Hier gilt ebenfalls: souverän und freundlich agieren, um Türen zu öffnen und das Interesse an dir neu zu wecken. Zudem erhältst du ganz unkompliziert Informationen über die Auswahlkriterien und Rahmenbedingungen. Bei über 500 Mitbewerbern relativiert sich die Frustration über die Absage mitunter doch recht schnell.

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Durchhalten im Bewerbungsmarathon

Mit Absagen umgehen zu müssen, ist keine schöne Erfahrung, aber auch hier gilt: Mit der Zeit fällt es leichter. Bei der heutigen Arbeitsmarktlage ist es sehr wahrscheinlich, dass du in manchen Berufsfeldern weit mehr als ein Vorstellungsgespräch durchlaufen musst, um einen Ausbildungsplatz bzw. einen Job zu bekommen. Betrachte die Bewerbungsphase als Marathon. Dazu brauchst du einen langen Atem und ein konkretes Ziel vor Augen: deinen Wunscharbeitsplatz!

Nutze deshalb deine Chance, dich nach der Absage noch einmal auf eher unkonventionelle Art und Weise ins Gedächtnis zu rufen. So bleibst du als aktiver und engagierter Kandidat im Rennen. Es kommt tatsächlich öfter vor, als viele glauben, dass eine Bewerbungsmappe wieder hervorgeholt wird und noch zu einem erfreulichen Ergebnis für den bereits abgesagten Bewerber führt.

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