Dein erster Job

In Kooperation mit Hesse/Schrader – Büro für Berufsstrategie www.berufsstrategie.de

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Geschafft, du hast den Job! Denkst du. Denn fast jeder Arbeitsvertrag sieht dich zunächst nur auf Probe vor. Die Probezeit ist zwar nicht rechtlich vorgeschrieben, aber nahezu überall üblich und für den Arbeitgeber auch sinnvoll, aber auch für dich. Ob du wirklich auf die Stelle passt, die Erwartungen erfüllst und mit dem ihm, den Kollegen und den Kunden gut zurechtkommst, weiß er, aber auch du, schließlich erst, wenn Du ein paar Monate gearbeitet hast.

Der erste Tag am Arbeitsplatz ist für dich als neues Mitglied im Team immer mit Nervosität und Anspannung verbunden. Die Erwartungen sind von beiden Seiten hoch. Besonders wenn du gerade aus der Ausbildung oder von der Uni kommst, ist deine Unsicherheit verständlicherweise besonders groß. Du kannst dem entgegenwirken, indem du vorher Erfahrungen in Praktika und Teilzeitjobs sammelst, aber die Erfahrungen in einer vollen Arbeitsstelle ersetzt dies natürlich nicht.

Du bist also erst mal völlig neu und alles ist fremd für dich. Denk daran, dass dies wahrscheinlich nicht das erste Mal ist, dass du solche Erfahrungen machst. Du warst bereits neu in einer Grundschule, einer Oberschule, einer Ausbildung, einer Universität, einem Praktikum, einem Ferienjob oder einem Verein. Du weißt, dass du damit umgehen kannst und du wirst es wieder können.

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Neue und Alte im Team

Dass du als „Frischling“ gleich überall mitarbeiten darfst, ist eher nicht zu erwarten. Besser gesagt: Erwarte nicht von deine Kollegen, dass du auf einen Schlag überall integriert wirst. Du wirst erst einmal aufmerksam beobachtet. Man versucht, dich einzuschätzen und allmählich für bestehende Gruppen innerhalb des Büros zu gewinnen. Das bedeutet, dass dein gutes Benehmen besonders wichtig ist. Verhalte dich allen gegenüber höflich und lass dich nicht von einer Partei vereinnahmen. Stell dich aktiv deinen neuen Kollegen vor, auch denen, die nicht in deiner Abteilung arbeiten. Eine gute Gelegenheit dafür ist z. B. die Begegnung in der Teeküche: „Hallo, ich bin Philipp Baum, seit ein paar Tagen in der Marketingabteilung bzw. der neue Azubi für Eventmanagement...“ Das nimmt jeder freundlich auf und schon ist das erste Eis gebrochen.

Denk an das Sprichwort: Viel hören, viel sehen, wenig sagen. Tabu sind vor allem in der Probezeit übermäßige Neugier und überschwängliche Vertraulichkeiten. Dräng dich nicht auf, sonst wirst du auch als Eindringling wahrgenommen. Denk daran: du bist in erster Linie hier, um deine Arbeit zu erledigen.

Versuch nicht, am Anfang besonders locker und lustig zu sein. Genau das Gegenteil sollte der Fall sein: Zeig dich zurückhaltend. Jeder weiß, dass du noch kein selbstsicherer Fachmann sein kannst und erwartet, dass du dich auch nicht wie einer verhältst. Zeig aber dennoch Aufmerksamkeit. Stell Fragen und bitte auch um Hilfe, wenn du bei einer Sache unsicher bist. Das zeigt deinen Willen, dich einzuarbeiten. Frag auch den neuen Chef um Rat. Er ist dein erster Kontakt in der Firma und will wissen, wie du vorankommst, also wird er sich Zeit für dich nehmen.

Mach erst einmal keine Verbesserungsvorschläge. Weder Chef noch Kollegen sollen den Eindruck gewinnen, sich einen Neunmalklugen in die Firma geholt zu haben. Wenn du glaubst, dass etwas besser laufen könnte, dann informiere dich zunächst, warum es überhaupt so gemacht wird. Die Abläufe haben sich über Jahre so eingespielt und sind oft genug auch sinnvoll. Sammle deine Ideen und bringe erst später deine Vorschläge ein, wenn Du danach gefragt wirst oder nach bestandener Probezeit.

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Achtung und Aufmerksamkeit für die Kollegen

Wichtig ist, dass du dir möglichst schnell die Namen deiner Kollegen einprägst. Jeder hört gern seinen eigenen Namen. Dementsprechend ungern hört jemand zum dritten oder vierten Mal: „Wie war Ihr Namen doch gleich?“ Scherze über ungewöhnliche Namen sind selbstverständlich tabu. Auch das "du" solltest du nicht sofort jedem anbieten. Beobachte aufmerksam, welche Regeln und Umgangsformen in der neuen Firma gelten. Denk daran, dass sich gutes Benehmen unter Kollegen nicht in reinen Höflichkeitsfloskeln erschöpft. Es ist vielmehr ein Zeichen von Kommunikationsfähigkeit und gegenseitigem Respekt.

Wenn du trotz aller Bemühungen das Gefühl hast, dass es im neuen Job nicht läuft, dann scheue dich nicht, deinen Vorgesetzten oder die Personalabteilung anzusprechen. Frag offen: 'Wie sehen Sie mich und was könnte ich besser machen?'. Damit zeigst du deine Reflexionsfähigkeit. Die Mitarbeiter der Personalabteilung sind hierfür gute Ansprechpartner, weil zu ihren Aufgaben auch die Personalentwicklung gehört. Wenn Du Ratschläge erhältst, dann nimm diese auch ernst und setz sie um. Denk grundsätzlich daran, dass Kritik und Belehrungen Teil deines Lernprozesses sind. Und sei nicht zu besorgt: Die meisten Firmen wollen niemanden nach der Probezeit wieder entlassen, schließlich haben sie viel Zeit und Mühe in deine Einarbeitung investiert.

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Mach dich unentbehrlich

Dein Ziel sollte es sein, in 100 Tagen soweit integriert zu sein, dass man nicht mehr auf dich verzichten möchte. Zeig in diesem Zeitrahmen deinem Chef, warum er dich auf Dauer fest anstellen soll. Die ersten Wochen dienen der Erkundung. Lerne dein Arbeitsumfeld kennen, achte aufmerksam auf die Abläufe im Unternehmen und versuche, die Strukturen zu erkennen und zu verstehen. Steh dabei nicht nur unbeteiligt herum, sondern lass dir Dinge erklären. Behindere aber dabei niemanden bei seiner Arbeit.

Fange dann an, deine Erkenntnisse für deine Arbeit nutzbar zu machen. Du solltest nun wissen, was der Hintergrund deiner Arbeitsaufträge ist und welchem Zweck sie dienen. Schau über deinen Tellerrand hinaus und lerne jeden Tag etwas dazu. Mit diesem Wissen kannst du dann zielorientiert und effizient deine Anforderungen erfüllen. Mach aber nicht den Fehler, mit diesen Kenntnissen herumzuprahlen: bleib bescheiden.

Du wirst sehen, dass du mit dieser Arbeitshaltung immer mehr und wichtigere Aufträge erhältst. Wenn deine Kollegen und dein Chef sehen, dass man sich auf dich verlassen kann und dass Du begreifst, worum es bei deiner Arbeit geht, wirst Du Stück für Stück als vollwertiges Mitglied des Unternehmens angesehen. Dies ist die beste Voraussetzung dafür, dass die Festanstellung nur noch eine Formsache wird.

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Gutes Benehmen auch auf der Firmenfeier

„Endlich mal eine Firmenfeier, da kann ich allen zeigen, was ich für ein toller Partytyp bin!“ – Falsch gedacht! Dein Sozialverhalten über den engeren beruflichen Alltag hinaus wird gern bei Firmenfeiern auf den Prüfstand gestellt. Chefs geben sich durchaus mal die Ehre und laden ihre Mitarbeiter ein. Nicht nur am Ende des Jahres zur berühmt-berüchtigten Weihnachtsfeier, auch zwischendurch gibt es immer wieder Anlässe zum Feiern, wie ein Betriebsjubiläum oder einen runden Geburtstag. Das Geburtstagskind lädt zum Essen ins Restaurant oder zu einer kleinen Party in der Kantine. Was auf den ersten Blick als willkommene Alternative zum Berufsalltag wirkt, kann sich aber schnell als Fettnäpfchen für deine Karriere entpuppen. Sei also hier vorsichtig.

Es wird gelacht, getratscht und getrunken. Besonders regelmäßige Anlässe sorgen dafür, dass sich die Firmenfeiern zu kleinen Ritualen entwickeln, deren Regeln man erst lernen sollte. Und oft prägen sich dem Chef die Erlebnisse einer Feier stärker ein als die alltäglichen beruflichen Leistungen seiner Mitarbeiter. Verstehe solche Anlässe also nicht als Freifahrtschein für ausgelassenes Benehmen. Begreife sie als eine Herausforderung und Chance, dich als sozial kompetenter Mensch zu zeigen. Du wirst sehen, dass der Umgang mit deinen Kollegen danach oft entspannter läuft als vorher. Sag möglichst nicht ab, sonst grenzt du dich nur unnötig aus.

Denk daran, dass der Chef sehen kann, wie du dich in „freier Wildbahn“ benimmst. Das richtige Maß ist gefragt. Das beginnt schon mit deiner Kleidung. Wenn es keine festgelegte Kleiderordnung gibt, dann erscheine nicht unbedingt im Business-Anzug oder im Nadelstreifenkostüm. Signalisiere mit deiner Kleidung etwas Entspannung, aber denk daran, dass es noch immer eine Betriebsfeier ist. Locker, aber gepflegt.

Wenn du erst einmal da bist, ist es natürlich auch in Ordnung, zu feiern. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, sich daneben zu benehmen. Geh nicht mit dem Gedanken hin, es mal richtig krachen zu lassen, die Bar leer zu trinken und die hübschen Kolleginnen anzubaggern. Das macht dir den Rest der Probezeit dann ziemlich schwer. Unterhalte dich über den Unternehmensalltag, Urlaubspläne oder Hobbies. Warst Du in letzter Zeit im Kino oder hast ein gutes Buch gelesen? Das sind gute Gesprächsthemen - und erzähl nicht zu viel aus deinem Privatleben.

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No Gos: Was Du unbedingt vermeiden solltest

Die größten Fehler, die du in deiner Probezeit vermeiden solltest, sind:

  • Leichtfertige Arbeitshaltung: Nimm deine Arbeit ernst.
  • Unpünktlichkeit: Plane Zeitpuffer ein.
  • Kritik: Glaube nicht, alles besser zu wissen.
  • Ignorieren von Vorgaben: Setze alles möglichst genau um.
  • Übermäßige Neugierde: Interesse ja, aber du musst nicht alles wissen.
  • Zu viel Kontakt: Sei offen, aber zurückhaltend.
  • Fehlzeiten: Wirklich krank sein, ist okay, aber nicht bei Kleinigkeiten.
  • Angeberei: Erfolge werden erwartet. Prahle jedoch nicht damit.
  • Fehler nicht zugeben wollen: Steh dazu und gelobe Besserung.
  • Rückzug ins Schneckenhaus: Hole Feedback ein, stelle Fragen.

Der Schlüssel zu deinem Erfolg sind letztlich die Menschen, mit denen du es im Unternehmen zu tun hast. Für deine Probezeit und auch danach ist es daher von großer Bedeutung, dass Du ein gutes Verhältnis zu Kollegen und Vorgesetzten aufbaust. Achte aufmerksam und sensibel auf die Vorgänge in deinem Umfeld. Lern die Regeln und finde allmählich deinen Platz in dem Gefüge. Dann bist du auf der sicheren Seite und absolvierst deine Probezeit mit Bravour.

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Lesetipp:

Probezeit
Entspannt durch die Bewährungsprobe

vom Büro für Berufsstrategie Hesse/Schrader
erschienen 2010 / 36 Seiten
Dateiformat: PDF-Dokument/e-Book

Sie haben den Job zwar in der Tasche und die erste Hürde mit Bravour genommen, aber das Bewerbungsverfahren geht für Sie noch eine ganze Weile weiter. Denn fast jedes Arbeitsverhältnis beginnt mit einer Probezeit. Den positiven Eindruck, den Sie im Auswahlverfahren hinterlassen haben, müssen Sie nun in der täglichen Praxis erfolgreich bestätigen. Sie treffen auf konkrete Arbeitssituationen, in denen Sie Ihr tatsächliches Können und Ihren Arbeits- und Kommunikationsstil unter Beweis stellen müssen. In der Probezeit werden Sie in einem breiteren Umfeld kritisch von allen Mitarbeitern geprüft. Vor allem geht es dabei um Ihre Selbstpräsentation. Wie ist der neue Kollege, hält er, was er verspricht, passt er ins Team, ist er nett und umgänglich, motiviert und ehrgeizig?

Damit Sie sich in der Probezeit nicht blamieren und nicht von einem Fettnäpfchen zum nächsten stolpern, ist es wichtig, dass Sie sich gut auf den Einstieg vorbereiten und wissen, worauf es ankommt. Nutzen Sie den Ratgeber als zuverlässigen Wegweiser durch den Fehlerdschungel des Berufsalltags. Wenn Sie die Spielregeln kennen, fällt der erfolgreiche Einstieg in den neuen Job weitaus leichter.

Inhalte:

  • Wie Sie sich gründlich auf Ihren Berufseinstieg vorbereiten
  • Wie Sie die klassischen Fehler in der Probezeit vermeiden
  • Bewährte Benimmregeln in der Arbeitswelt
  • Wie Sie erfolgreich kommunizieren
  • Wie Sie eine Kündigung vermeiden
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