Das Assessment Center - Du als Bewerber unter der Lupe

In Kooperation mit Hesse/Schrader – Büro für Berufsstrategie www.hesseschrader.com

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Du bist zu einer Auswahl im Assessment Center, kurz AC, eingeladen. Das ist gut, denn es bedeutet, dass sich das Unternehmen ernsthaft für dich interessiert. Beachte aber, dass sich auch hinter einer Einladung zum „gemeinsamen Wochenende“ oder einem Nachmittag ein solches Auswahlverfahren verbergen kann. Ein AC ist ein ausgeklügeltes Ausleseverfahren mit einer Kombination verschiedener Verhaltens- und Arbeitsproben und kann sich von etwa einem halben Tag bis über mehrere Tage erstrecken. In der Regel werden sechs bis zwölf Kandidaten eingeladen, die zwischen acht und zwölf Übungen bestreiten müssen. Dabei werden sie von drei bis sechs Assessoren beobachtet. Diese repräsentieren die Arbeitsplatzgeber und entscheiden darüber, wer letztlich ausgewählt wird und wer nicht.

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Im Grunde nichts Neues: das AC ist ein Klassiker

Waren Assessment Center früher nur höchstens Besetzungen von Führungspositionen vorbehalten, müssen sich heute selbst Sekretärinnen oder Verkäufer und sogar Azubi-Kandidaten dem berüchtigten Auswahlverfahren stellen. Die Methode wurde von deutschen Wehrmachtspsychologen entwickelt und in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts zuerst zur Auslese des Offiziersnachwuchses eingesetzt. Die Offiziere sollten nach Leistung und nicht nach Herkunft oder Adelsstand ausgewählt werden. Danach landete das ursprünglich militärische Auswahlverfahren in der Wirtschaft, wo es zunächst in den USA in den 50er Jahren bei der Auslese von Nachwuchs-Führungskräften angewandt und weiterentwickelt wurde. Seit den 70er Jahren ziehen es auch deutsche Unternehmen nach amerikanischem Vorbild sehr häufig zur Personalauswahl heran. Und der Trend scheint trotz einer kleinen Pause ungebrochen. Nach Schätzungen werden AC etwa über einhunderttausend Mal pro Jahr bei der Rekrutierung eingesetzt. Davon versprechen sich die Personalentscheider, neben der fachlichen Qualifikation, auch ein umfassendes Bild über die Stärken und Schwächen der Kandidaten zu erhalten.

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Was erwartet dich im Assesment Center?

Hesse/Schrader Büro für Berufsstrategie erklärt dir in diesem Video worauf es im AC ankommt.

Du musst nur wissen, was und wie es läuft

Von vielen Teilnehmern wird es als äußerst stressig empfunden, gerade weil man über einen langen Zeitraum, manchmal sogar über Tage, bei der Bewältigung der AC-Aufgaben beobachtet wird. Die Anforderungen an die Stellenbewerber sind hoch: Tests, Gruppenaufgaben wie Präsentationen oder Diskussionen und Stressinterviews reihen sich aneinander. Jeder Schritt wird beobachtet und beurteilt, auch in Pausen. So wurde zum Beispiel eine Bewerberin bei einem Erdöl-Konzern mal nebenbei gefragt: „Sagen sie mal, warum wollen sie eigentlich bei einem der größten Umweltverschmutzer der Welt Karriere machen?“ Da gilt es Ruhe zu bewahren und besonnen zu antworten. Möglicherweise gibt dieser Konzern ja auch sehr viel Geld für erneuerbare Energien aus.

Doch allen ausgelegten Fallstricken zum Trotz: Mit einer gezielten Vorbereitung lassen sich nicht nur deine Nerven schonen, sondern auch die Chancen erheblich verbessern, den Auswahlmarathon erfolgreich zu bestehen. Mach dich also rechtzeitig mit dem Assessment Center vertraut. Bereite dich unbedingt darauf vor, lies entsprechende Literatur, trainiere die typischen Aufgaben und sei aufmerksam, worauf die Beobachter vor allem achten.

Hier erfährst du, mit welchen typischen Aufgaben und mitunter Tricks du als Bewerber auf Herz und Nieren geprüft wirst. Die einzelnen Aufgabentypen kann man wie folgt umschreiben:

Jeder für sich allein

Zu diesen Aufgabentypen gehört zum Beispiel die so genannte Postkorbübung, bei der dein Organisationstalent gefragt ist. Aber auch andere Tests (zu Intelligenz, Konzentration, Leistung, Persönlichkeit) kommen zum Einsatz.

Jeder gegen jeden

In einer Art führerlosen Gruppendiskussion sollst du deinen eigenen Standpunkt und deine berechtigten Forderungen vertreten. Hier kommt es auf deine Kompromiss- und Kooperationsbereitschaft, aber auch dein Durchsetzungsvermögen an. Dein Fingerspitzengefühl und diplomatisches Geschick sind gefordert.

Einer gegen den anderen

Typisch hier: das Rollenspiel. In der Regel müssen die Kandidaten in der Rolle des Kunden und in jener des Verkäufer einen Kompromiss finden und dabei Diplomatie, Eloquenz und Entscheidungskraft unter Beweis stellen.

Einer vor allen anderen

Dabei geht es um einen Kurzvortrag bzw. eine Art Präsentationsübung. Du bereitest dich auf ein Thema vor und unterhältst dann möglichst gut das Publikum, also deine Beurteiler und Mitbewerber. Natürlich kommt es auch hier wieder auf Rhetorik, Überzeugungskraft und Darstellungskunst an: ein wenig Schauspielerei ist von Vorteil.

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Die typischen Assessment Center-Aufgaben und wie du dich geschickt verhältst

Zum Auftakt: Die Vorstellungsrunde

Meist wirst du als Bewerber erst einmal aufgefordert, dich den anderen Teilnehmern vorzustellen. Manchmal mit einer zusätzliche Aufforderung, wie: „Stellen sie sich bitte kurz vor und erzählen sie uns, warum sie sich hier beworben haben.“ Diese Frage kennst du womöglich bereits aus dem Vorstellungsgespräch. Überlege dir auch hier, was du darauf antworten könntest. Und wie immer gilt: Sei bitte bestens über das Unternehmen informiert. Einige deiner Mitbewerber werden eventuell versuchen, sich sofort in den Vordergrund zu spielen. Mach dir darum keine Sorgen! Wer sich vordrängelt, wirkt nicht unbedingt sympathisch und bekommt von den Beurteilern eher Minuspunkte.

Tipp: Bleib freundlich und gelassen, aber auch nicht zu schüchtern oder gar stumm wie ein Fisch. Lächle freundlich und ungezwungen und zeig dich offen und interessiert, auch an deinen Mitbewerbern. Nimm generell Augenkontakt auf, nicht nur mit dem jeweiligen Gesprächspartner. Schau auch immer wieder kurz zu den anderen, die dir gegenüber sitzen.

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Die Gruppendiskussion: argumentiere und bleibe sachlich

Du wirst in Gruppen eingeteilt und aufgefordert, gemeinsam über ein bestimmtes Thema zu diskutieren. Das Thema wird vorgegeben oder muss von den Kandidaten gemeinsam ausgewählt werden. Einen Diskussionsleiter gibt es nicht. Jeder vertritt seinen eigenen Standpunkt. Am Ende soll ein Diskussionsergebnis vorliegen, das gemeinsam erarbeitet wurde und von allen getragen wird. Dabei kann es unter den Teilnehmern schnell zu Meinungsverschiedenheiten und Spannungen kommen. Und das ist beabsichtigt!
Hier wird deine Bereitschaft geprüft, in einer Gruppe Kompromisse einzugehen und zu kooperieren, ohne aber dabei deine eigene Überzeugung aufzugeben. Eventuell wird auch der Inhalt deiner Meinung bewertet, aber wichtiger ist dein Kommunikations- und Gruppenverhalten. Überlege, was von dir im Beruf erwartet wird. Sollst du viel Überzeugungsarbeit leisten oder eher eine vermittelnde Funktion einnehmen?

Tipp: Nicht der Erste und nicht der Letzte sein, der sich zu Wort meldet. Falle nicht durch zu viel oder zu wenig Beiträge auf, sondern dadurch, dass du Standpunkte zusammenfasst und sinnvoll ergänzt. Sei immer zielorientiert. Denke daran, dass du in der und als Gruppe eine Aufgabe hast und lenke auf ein Ergebnis hin. Lobe ruhig gute Teilnehmerbeiträge. Denn: Wer lobt, der führt.

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Das Rollenspiel: deine Kür

Du bekommst eine konkrete Aufgabe gestellt, z.B. einem Kunden (gespielt von einem Prüfer bzw. Assessor) ein bestimmtes Produkt zu verkaufen oder einen unzufriedenen Kunden zu beruhigen. In der Regel solltest du verhandeln und einen Kompromiss herausarbeiten. Im Gegensatz zur Gruppendiskussion hast Du hier nur ein Gegenüber. Zeige, dass du dich auf ihn einstellen und ihn überzeugen kannst. Sorge dafür, dass der Kunde zufrieden aus dem Gespräch herausgeht, und zwar mit einem gekauften Produkt. Entscheide dich notfalls dafür, ihm entgegenzukommen mit einem Rabatt oder einem kostenlosen Extra.
Nicht einfach sind auch solche Aufgaben: Du bist der neue Vorgesetzte und ein langjähriger Mitarbeiter hat seit längerem einen totalen Leistungshänger. Du musst ihm als neuer Vorgesetzter klarmachen, dass es so nicht weiter gehen kann. Am Rande erhältst du eventuell noch den Hinweis, dass dieser Mitarbeiter mit der Frau deines Vorstandvorsitzenden bzw. Chefs verwandt ist. Wie stellst du es an oder besser: Wie stellst du dich dabei an? Gefragt ist in solchen Konstellationen deine Fähigkeit zur Diplomatie, Sprachgewandtheit und die Entscheidungs- und Überzeugungskraft, mit der du dein Kommunikationsziel erreichst.

Tipp: Leite das Gespräch freundlich und aufmunternd ein. Komm dann zügig zur Sache und benenne, worum es konkret geht. Bleib dabei sachlich, drohe nicht, mach keine Vorwürfe und versuche auch sonst nicht, dein Gegenüber in die Ecke zu drängen und ganz wichtig: vermeide jede Polemik! Hab Verständnis, aber denk letztlich an das Wohl des Unternehmens. Fordere den Mitarbeiter auf, Lösungsvorschläge zu machen und frag nach, was ihm fehlt und wie man ihn unterstützen könnte. Denk an das Ziel: Du willst wieder einen leistungsfähigen Mitarbeiter haben.

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Die Präsentation: prägnant und charmant

Du wirst aufgefordert, einen Kurzvortrag zu halten. Das Thema wird vorgegeben, eventuell kannst du es auch frei wählen. In diesem Fall nimm etwas, was du gut kennst, beispielsweise ein Hobby. Zur Vorbereitung bleiben meist nur wenige Minuten Zeit. Danach solltest du dein Publikum – das Auswahlgremium und die Mitbewerber – gut informieren und unterhalten.
Diese Übung soll zeigen, wie du als Einzelner gegenüber einer Gruppe auftrittst. Man will damit deine Fähigkeit in Rhetorik, prägnanter Darstellung und Überzeugungskraft, aber auch Selbstsicherheit und Standfestigkeit testen.

Tipp: Zeig eine gute, schnelle Einleitung und eine angenehme Prise Humor. Verwende möglichst viele Medien (I-Pad + Beamer, Flipchart, Overheadprojektor, Zeichnungen, etc.). Denk auch hier wieder an das Ziel: Dein Publikum soll hinterher etwas über das Thema wissen und dich in guter Erinnerung behalten. Bring die Dinge auf den Punkt, zeig klare Zusammenhänge und Unterschiede auf, überleg dir anschauliche Beispiele und erzeuge bildhafte Vorstellungen. Lächeln nicht vergessen und sieh deinem Publikum in die Augen.

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Der Postkorb: was ist wichtig und was nicht

Zu den am häufigsten eingesetzten schriftlichen Tests gehört die Postkorb-Übung. Unter Zeitdruck hast du eine Anzahl von unterschiedlichen Aufgaben zu erledigen und diverse Probleme zu lösen, die alle sehr wichtig erscheinen und sofortiges Handeln fordern. Deine eigentliche Aufgabe ist dabei, eine plausible Reihenfolge in der Bearbeitung zu finden und deine Entscheidungsfähigkeit unter Beweis zu stellen:

  • Was ist wirklich wichtig und muss sofort erledigt werden?
  • Was kann warten?
  • Was lässt sich delegieren?

Diesen Test bewältigt jeder für sich allein, unabhängig von der Gruppe. Es geht dabei um dein persönliches Organisationstalent und deinen Weitblick.

Tipp: Die dir übergebenen Schriftstücke enthalten Informationen, die du dir zunächst überblicksartig anschauen solltest, um dann Prioritäten festlegen zu können. Vorsicht: Lies dir nicht langsam eines nach dem anderen durch. Nur wer sich schnell eine Übersicht verschafft, kann die nötigen Entscheidungen treffen und diese auch gut begründen. Dabei wirst du absichtlich unter Zeitdruck gesetzt, um deine Stressresistenz zu testen. Lass dich aber davon nicht beirren und verfolge dein Ziel.

Die hier aufgezählten Beispiele gehören zu den klassischen Aufgaben eines Assessment Centers. Sie können sehr vielfältig sein und sehen immer wieder anders aus, aber letztlich geht es wie im Vorstellungsgespräch für dich immer wieder darum, für Sympathien und Vertrauen zu werben.

Nochmals: Glaub nicht, dass du in den Pausen zwischen den Übungen unbeobachtet bist. Fang nicht an, deine Mitbewerber negativ zu beurteilen oder jetzt „mal ehrlich deine Meinung zu sagen.“ Das kommt gar nicht gut an. Bleib freundlich, locker und interessiert. Such das Gespräch und knüpf Kontakte. Unverfängliche Gesprächsthemen sind zum Beispiel Schule, Ausbildung, Studium und deine Hobbies. Optimismus, Interesse, Leistungswille, Kooperationsbereitschaft und ein offenes Lächeln sind gute Mittel, das Herz der Entscheider zu erobern. Und darauf kommt es an. Nimm dir Zeit und Ruhe, die Aufgaben vorher zu üben. Dann gehst du souverän in diese Prüfungssituation gehen und wirst gut abschneiden.

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Lesetipp:

Die 100 wichtigsten Tipps zum Assessment Center + E-Book

EXAKT - Die 100 wichtigsten Tipps zum Assessment Center + E-Book
(von Jürgen Hesse und Hans Christian Schrader)

Inhalte:

  • wie ein Assessment Center abläuft
  • nach welchen Kriterien geprüft wird
  • welche Aufgaben gestellt werden
  • was die Testergebnisse über die eigene berufliche Eignung aussagen
  • wie man sich auf ein Assessment Center vorbereitet

Erschienen:

  • 2014 bei Stark Verlag/Hallbergmoos
  • Broschiert
  • ISBN: 3849014636
  • EAN: 9783849014636
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