Aushalten oder die Ausbildung abbrechen?

Bei den meisten Azubis verläuft die Ausbildung reibungslos – von kleinen Tiefs und Hochs einmal abgesehen. Doch manchmal treten größere Probleme auf.

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Dieser alte Spruch aus Großvaters Zeiten muss häufig bei Problemen, Unmut und Unstimmigkeiten während der Ausbildung herhalten. Dabei sagt er eigentlich nur aus, dass ein Azubi nicht gleich in die Chefetage des Unternehmens einsteigt, sondern sich als Lehrling auch mal durch weniger spannende oder anspruchsvolle Arbeiten kämpfen muss. Er ist aber keineswegs ein Freibrief für Ausbilder, die ihre Lehrlinge beispielsweise den Privatwagen waschen lassen und auch im dritten Ausbildungsjahr noch keine anderen Aufgaben als die Erledigung der Ablage geben. Es ist auch kein Persilschein für Kollegen, die den neuen Azubi mit ihrem persönlichen Sklaven verwechseln. Wer Probleme mit dem Chef, den Ausbildern oder den Kollegen hat, braucht sich also keineswegs von Sätzen wie „da musste ich auch durch“ oder „das ist in der Lehre nun einmal so“ einschüchtern zu lassen.

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Sich den Ärger von der Seele reden

Falls es Schwierigkeiten gibt, ist es immer besser, sie anzusprechen als sie auszusitzen. Denn vieles lässt sich – meistens einfacher als man zunächst denkt – aus der Welt schaffen. Erster Ansprechpartner sollte immer eine Vertrauensperson sein – beispielsweise die Eltern, Geschwister, Freunde oder Freundinnen. Je nach Lage der Dinge beschwichtigen sie einen oder stärken einem den Rücken. Wenn man sich das ganze Elend von der Seele geredet hat, ist man zudem oft den ersten Ärger bereits los und sieht die ganze Angelegenheit gelassener. Der nächste Schritt sollte ein klärendes Gespräch im Ausbildungsbetrieb sein - beim Streit mit der Kollegin direkt mit ihr oder (wenn die Situation bereits zu verfahren ist) mit dem Vorgesetzten. Das wird in vielen Fällen der Ausbilder oder die Ausbilderin sein. Falls diese Klärungsversuche erfolglos geblieben sind, können häufig die Berufsschullehrer sowie die Kammern oder Innungen weiterhelfen. Sie kommen gegebenenfalls als neutrale dritte Person in einem Schlichtungsgespräch dazu. Gibt es auch jetzt keine Einigung, unterstützen sie einen auch bei der Suche nach einem neuen Ausbildungsbetrieb. Denn ein Wechsel ist in vielen Fällen klüger als die Lehre ganz abzubrechen.

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Der falsche Beruf

Wenn man sich hingegen absolut sicher ist, dass bereits die Berufswahl falsch war, ist der Abbruch der bessere Weg. Dann bringt es wenig, die Ausbildung auf Biegen und Brechen durchzuziehen – nur um anschließend noch etwas vollkommen anderes zu lernen oder zu studieren. Diese Entscheidung trifft zwar letzten Endes jeder für sich alleine, doch Unterstützung findet man hier ebenfalls. Und zwar bei der Berufsberatung der Agentur für Arbeit. Sie ist auch für alle, die aus gesundheitlichen Gründen wechseln müssen, ein Ansprechpartner. Gesundheitliche Gründe können zum Beispiel dann vorliegen, wenn der Arzt eine Allergie gegen bestimmte Chemikalien, die zum Berufsalltag gehören, diagnostiziert.

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Gehe pragmatisch vor:

  • Fasse dein Problem in klare Worte – möglichst schriftlich. Nimm dir deine Notizen nach zwei Wochen erneut vor – siehst du dein Problem auch danach noch so?
  • Falls ja, lege dir eine Strategie zurecht, mit wem du über dein Problem wie sprechen willst (siehe oben: Sich den Ärger von der Seele reden).
  • Schiebe klärende Gespräche nicht vor dir her – mache einen Termin und ziehe die Sache durch. Du kannst nur gewinnen!
  • Keine Angst vor Veränderungen: Wenn das Gespräch nichts bringt, analysiere nochmals die Problemlage (Wie konnte es soweit kommen? Welchen Anteil hattest du selbst?) und entwirf einen verbindlichen Zeitplan für die Suche nach einer neuen Ausbildungsstätte. Willst du in der Branche bleiben, kannst du dich versuchsweise an den direkten Konkurrenten deines alten Betriebes wenden. Vielleicht hat man gerade dort ein besonderes Interesse an dir – je schärfer die Konkurrenz, desto größer wird dort womöglich der Ehrgeiz sein, dich davon zu überzeugen, dass man wirklich das bessere Unternehmen ist.
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