Arzneimittel ohne Tiere und Tierversuche?

Arzneimittel
ohne Tiere und Tierversuche

Geht das überhaupt?

Vegan leben bedeutet bekanntlich mehr als nur bei der Ernährung auf alle Produkte tierischen Ursprungs zu verzichten. Auch in den Bereichen Bekleidung, Kosmetik und Reinigungsmittel achten Veganer darauf, ohne Tierisches auszukommen und meiden beispielsweise Wolle und Leder. Und in ihrer Freizeit unterstützen Veganer keine Zoos, Zirkusveranstaltungen mit Tierdressuren oder Reiterhöfe. Im Krankheitsfall allerdings stößt die vegane Lebensweise leider an ihre Grenzen: Die Entwicklung der meisten Medikamente kommt nicht ohne Tierversuche aus und nahezu alle Arzneimittel enthalten Bestandteile tierischen Ursprungs. Wie stehen Veganer dazu?

Tiere in der Medizin

Tierische Bestandteile als Trägersubstanzen und Hilfsstoffe sind die Regel in den meisten Arzneimitteln: Kapseln enthalten Gelatine oder Tabletten werden zur leichteren Einnahme mit Gelatine überzogen, Cremes enthalten Lanolin, also Wollfett, als Grundlage und Tabletten haben Milchzucker als Trägerstoff. Hormone für Verhütungsmittel werden aus den Eierstöcken von Kühen oder aus dem Urin trächtiger Stuten gewonnen. Betäubungsmittel, die so manche Zahnbehandlung erst erträglich machen, wurden an Tieren getestet. Auch die meisten Impfstoffe sind nicht rein vegan. Die Entwicklung von neuen Medikamenten kommt nicht ohne Tierversuche aus und Behandlungsmethoden und Operationstechniken werden in der Regel an Tieren ausprobiert. Sogar die Naturheilkunde nutzt Milchzucker als Trägersubstanz oder verwendet Bienenwachs in Cremes.

Was du tun kannst

Am besten wirst du natürlich gar nicht erst krank. Doch dieser Wunsch geht leider an der Realität vorbei. Sprich also in deiner Arztpraxis deine vegane Lebensweise an und frage nach Medikamenten, die möglichst ohne tierische Bestandteile auskommen. Einige Medikamente gibt es in Tabletten- oder in Tropfenform. In den meisten Krankheitsfällen wirst du aber um nicht-vegane Arzneimittel nicht herumkommen.

Frage gezielt nach Generika: 20 Jahre nach der Patentanmeldung für ein Präparat erlischt das Patent und jeder Arzneimittelhersteller darf Nachahmerpräparate auf den Markt bringen. Natürlich kannst du auf diese Weise die für die frühere Entwicklung des Medikamentes durchgeführten Tierversuch nicht ungeschehen machen. Aber immerhin sind neue Versuche nicht nötig und das Präparat hat sich über viele Jahre in der Praxis bewährt.

Erkundige dich nach alternativen Heilverfahren wie Akupunktur oder Osteopathie, die ohne Medikamente auskommen. Auch viele Hersteller homöopathischer Mittel lehnen Tierversuche ab. Beim Zahnarzt könntest du natürlich versuchen, auf die Betäubungsspritze zu verzichten. Aber auch damit lässt sich kein zurückliegender Tierversuch ungeschehen machen.

Was du nicht tun solltest

Lehne eine notwendige schulmedizinische Behandlung nicht kategorisch ab, damit rettest du letztendlich kein Tier, sondern schadest nur dir selbst. Verzichte nicht auf notwendige Vorsorgemaßnahmen wie Impfungen. Lass dir kein schlechtes Gewissen einreden, wenn du Medikamente einnimmst. Und vor allem: Lass dich in deinem Vorhaben, Tiere vor Schmerzen und Leid zu bewahren, nicht entmutigen. Auch wenn im Krankheitsfall die vegane Lebensweise an ihre Grenzen stößt, leistest du einen großen Beitrag dazu, dass Tiere nicht zum Nutzen von Menschen gequält werden.

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