Achtung: Nicht jeder Studienabbrecher wird mal Promi

Bis zum Abwinken kursieren in Print- und Onlinemedien Namenslisten prominenter Studienabbrecher: Bill Gates, Günther Jauch, Anke Engelke, Juli-Sängerin Eva Briegel und viele andere Berühmtheiten zeigen, dass man es auch nach einem nicht regulär beendeten Studium weit bringen kann. So trostreich solche Listen in schwachen Momenten sein mögen, sollte man sich durch sie über einen wesentlichen Punkt nicht hinwegtäuschen lassen: Es handelt sich um Ausnahmen von der Regel. Denn im richtigen Leben schaffen nur die wenigsten Studienabbrecher den Sprung in die Prominentenlisten. Manchen Abbrechern aber gelingt wenigstens der fliegende Wechsel in ein gesichertes Dasein und berufliche Zufriedenheit.

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Typ 1: Abbrecher, erfolglos

Die Realität ist oft bitter: Thomas (heute 38), hat vor zehn Jahren sein Jura-Studium geschmissen. Seither fährt er Taxi – ohne sonderliche Aussichten, jemals einen besser bezahlten Job zu bekommen. Ambitionen hat er keine mehr. Ina (heute 34) hat ihr Psychologiestudium nie beendet. Menschenkenntnis, ausgeprägte Smalltalk-Fähigkeiten und Einfühlungsvermögen reichten nicht zum Diplom. Dafür arbeitet sie immer noch an der Theke ihrer einstigen Lieblingskneipe – beliebt bei Gästen und Kollegen, doch Karriereaussichten gleich Null. Katharina (heute 31) hat Theaterwissenschaften studiert – bis sie 26 war ihr klar wurde, dass dieses Studium ihr keine Perspektiven bietet würde. Seither jobbt sie hier und da und hofft auf die große Wende. Doch woher sollte die kommen? Katharina weiß es nicht. Typische Karrieren von Studienabbrechern?

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Typ 2: Abbrecher, erfolgreich

Natürlich geht es auch anders: Evelyn (heute 34) hat mit 29 ihr Philosophiestudium gefrustet geschmissen und arbeitet heute als erfolgreiche, gut bezahlte Werbetexterin in einer namhaften Agentur. Eine Ausnahme? Keineswegs: Ihr Freund Max (37) hat in seinem früheren Leben Soziologie und Ethnologie studiert – und kam dann als Quereinsteiger zu einem Anbieter für teure Individualreisen. Heute ist er dort zweiter Geschäftsführer. Ines (33) führt heute ein kleines, aber feines Restaurant – fünf Jahre, nachdem sie ihr Medizinstudium kurz vor dem Examen für immer an den Nagel gehängt und ihr einstiges Hobby zum Beruf gemacht hat.

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Von sich überzeugt sein – und nicht vom Studium

Sechs Abbrecher-Biographien – und zwei entgegensetzte Pole in der weiteren Entwicklung der Lebenswege. Warum versackt der eine im beruflichen Niemandsland, während die andere elegante die Kurve kriegt? Die formale Intelligenz dürfte in allen sechs Fällen ähnlich hoch sein, daran liegt es also nicht. Unterhält man sich mit Studienabbrechern näher, fällt ein grundlegender Unterschied ins Auge: Während der verhinderte Rechtsanwalt Thomas nie wirklich an eine glänzende Juristen-Karriere geglaubt hat, war die Beinahe-Philosophin Evelyn schon immer davon überzeugt, dass Denken und Sprache ihre Domäne seien. Im Unterschied zu Thomas zweifelte sie nie an ihrer Eignung und ihren Fähigkeiten, sondern eher an der Qualität des Studiengangs: Zu theorielastig, keine Brücken ins wirkliche Leben. Aber ihrem Philosophen-Credo – an allem zu zweifeln und nie bei einer vermeintlichen Wahrheit stehen zu bleiben – ist sie auch als Werbetexterin treu geblieben. Das ermöglicht es ihr, auch noch um die nächste Ecke zu denken – und so zu wirklich weit vorausschauenden Lösungen zu kommen. Studienabbrecher, die an sich glauben und trotz fehlenden Diploms von ihren Fähigkeiten überzeugt sind, haben eindeutig die besseren Karten. Wenn sie dann auch noch in der Lage sind – wie die abgebrochene Medizinstudentin Ines – ohne Bedauern Stethoskop gegen Kochlöffel zu tauschen, also in gänzlich neuen Dimensionen zu denken, sind die Voraussetzungen geradezu optimal. Ines wird zwar nie als Ärztin arbeiten können und Max wird nie Soziologieprofessor werden – doch sie haben mehr als nur eine gute Alternative gefunden. Nämlich den Beruf, der wirklich zu ihnen passt. Doch war dazu überhaupt das Studium notwenig?

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Gut investierte Zeit: Studium in eigener Sache

Evelyn hat in ihrem Philosophiestudiums zwar nichts über Werbung oder Marketing gelernt – aber sie hat gelernt, über den Tellerrand zu blicken und immer wieder neue Fragen zu stellen, Fragen als Motor geistiger Prozesse zu begreifen. Ines hat in den Pathologie-Vorlesungen zwar nichts über höchste Gaumenfreuden vermittelt bekommen – aber durch wahre Kochorgien mit Kommilitonen das souveräne Hantieren mit Küchenwerkzeug und Zutaten perfektioniert und ihre kulinarische Entdeckerfreude kultiviert. Max hingegen hat während der Semesterferien schon immer gern Abenteuerreisen unternommen – auf Low-Budget-Niveau, versteht sich. Er hat zwar keinen Luxus genossen, aber viel übers Improvisieren in fremder Umgebung gelernt. Studienjahre – auch wenn sie nicht zum eigentlich angestrebten Abschluss führen – sind Jahre, in denen man sich ausprobieren kann. Genau das sollte man auch machen. Denn jedes dieser Experimente in eigener Sache kann zu überraschenden Einsichten führen. Unser Fazit: Wer diese Experimentierlust mitbringt, braucht sich vor den Konsequenzen eines abgebrochenen Studiums weit weniger zu fürchten als beispielsweise die Ex-Theaterwissenschaftlerin Katharina, die rein passiv noch immer auf die Wende im Leben wartet.

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